Arbeit im und mit dem Wertespektrum
In vielen westlichen Kulturen wird die Altersthematik sehr einseitig betrachtet. So zählt man in einer ganzen Reihe von Unternehmen ab 40 bereits zum „alten Eisen“. Das Sozialversicherungssystem in der Schweiz ist beispielsweise derart gestaltet, dass je älter ein Mitarbeiter ist, umso teurer für ein Unternehmen eingestuft wird. (Blaser et. al, 2013, S. 8 ff.) Jugend steht oftmals für Leistungsfähigkeit. Daher verwundert es nicht, dass sich dies entsprechend auf Personalentscheidungen in Unternehmen auswirkt.
Bisher wurde ein wichtiger Punkt in der Betrachtung vernachlässigt. Beginnend mit der Gruppe der Babyboomer (geboren zwischen 1946 und 1964) haben ursprüngliche Altersmodelle bzw. Altersbegriffe eine Verschiebung erfahren, ohne dass bisher in der Altersforschung eine allgemein verbindliche Definition des Altersbegriffs vorgelegt worden ist.
Das Alter eines Menschen leitet sich also nicht automatisch von dessen Geburtsdatum ab. Gehen wir vom so genannten archetypischen Lebenszyklus aus, sprechen wir von drei Stufen, die der Mensch von der Geburt bis zu seinem Tod durchläuft. Diese Vorstellung ist bis heute in den westlichen Gesellschaften fest verankert. Vor allem der Fortschritt und die Forschung in Bereichen wie Medizin, Psychologie und Kosmetik haben einen Beitrag dazu geleistet, dass die Menschen immer älter werden und sich vermehrt bester Gesundheit erfreuen. Hinzu kommen Entwicklungen auf dem Gebiet der fluiden Intelligenz, die zusätzlich helfen werden, den Alterungsprozess zu verlangsamen.
Übergang von sequenzielle in parallele Lebensläufe
Dies führt dazu, dass zunehmend von vier Lebensaltersphasen ausgegangen wird. (Meyer-Hentschel, 2010, S.24) Mit dieser Neuaufteilung geht jedoch eine gravierende Strukturveränderung des Lebensmodells einher. „Bildung, Arbeit, Familiengründung, Ruhestand sind keine einmaligen, geradlinig aufeinanderfolgenden Ereignisse mehr, sondern werden mehrmals im Leben, (wie oben in der Abbildung dargestellt), oft gleichzeitig durchlaufen“. (Frick, 2005, S. 18)
Das Altern gestaltet sich vielfältiger als wir bisher annahmen. Dafür sprechen viele Typologien, die man in der Altersforschung findet. Diese Ansätze sind für das Verständnis und den Umgang mit den Mitarbeitern sehr wichtig, um die Zusammenarbeit erfolgreich und wertschätzend zu gestalten.
Mit unserem Wissen können Unternehmen einerseits zu einem wertschätzenderen Umgang mit älteren Mitarbeitern in der heiklen Altersthematik gelangen. Andererseits haben sie mit diesem neuen Bewusstsein auch die Möglichkeit ressourcenorientiert auf die Mitarbeiter einzuwirken und deren Bewusstsein für ihre Rolle im Umgang mit Gesundheit und Resilienz zu schärfen.
Neue Wege im Laufbahncoaching
Interessant in diesem Zusammenhang sind auch Bestrebungen, die bspw. auf den Forschungsansatz von Urs Kalbermatten, dem ehemaligen Leiter des Institutes an der FH Bern, zurückgehen. Er schlägt unter anderem vor, in andere Bereiche der Entwicklung zu investieren als das bisher in Unternehmen üblich ist. Seiner Meinung nach ist es denkbar, Mitarbeitern anzubieten, eine Weiterbildung zu absolvieren, die mit ihrem aktuellen Berufsfeld kaum oder nicht in direktem Zusammenhang steht. Aus der Beschäftigung mit einem Thema, das den Mitarbeiter interessiert, kann er neue Motivation für den beruflichen Alltag und die Jahre schöpfen, die bis zur Pensionierung noch vor ihm liegen. Gleichzeitig wird der Mitarbeiter gefordert. Dies wirkt sich nachweislich positiv auf seine Gesundheit etc. aus. (Kalbermatten, 2010, S.45)
Literaturquellen
Blaser, R., Frischknecht, S., Foppa, S. & Riedel, M. (2013). Abschlussbericht zum BFH-
Forschungsprojekt. Ältere Arbeitnehmer/innen: Analyse der betrieblichen
Einbindung und Wertschätzung; Modelle der Weitergabe von Wissen. Bern: Institut
Alter, FH Bern.
Frick, K. (2005). GDI_Studie Nr.18. Generation Gold. Wie sich Werte, Wünsche und
Lebensstile zwischen 50 und 80 verändern. Rüschlikon: Gottlieb Duttweiler Institut.
Kalbermatten, U. (2010). Lebensgestaltung im Alter - Der Berner Ansatz zur
Gerontologie. In Lebenswelt Heim 48/2010. Wien: Bundesverband der Alten- und
Pflegeheime Österreichs.
Meyer-Hentschel, H. & G. (2010). (Hrsg.). Jahrbuch Seniorenmarketing 2010/2011.
Strategien und Innovationen.Frankfurt am Main: Deutscher Fachverlag.